40 Kilometer nördlich von Bangkok befindet sich der Vorort Rangsit. Der alte Flughafen Don Mueang befindet sich dort. Am besten gelangt man per Autobahn, wessen Netz sich auf mehreren Metern Höhe über die ganze Stadt verteilt, zu diesem Aussenbezirk. Im Zentrum von Rangsit befindet sich Future Park, ein riesiges, modernes Einkaufszentrum. Dort findet man alle bekannten Fastfood-Ketten, Kleiderläden und Department Stores. Wenn man die Strasse überquert kommt man zu Major Cineplex, ein Multiplex-Kino, wo es z.B. gute Schweinshaxen zu essen gibt.
Ich war in Rangsit am Muay Thai Institute für gute drei Wochen. Dort habe ich die Kurse Muay Thai 1 und 2 besucht. Das Institut ist das einzige Gym, das vom Sportministerium anerkannte Diplome im Thaiboxen ausstellen darf. Die Kurse dauerten je 40 Stunden, wobei man zweimal am Tag je 2 Stunden trainiert. Das Institut vermietet auch Zimmer, wobei man besser in einem Hotel in der Nähe übernachtet, da es wahrscheinlich günstiger kommt und man ein besseres und ruhigeres Zimmer erhält (gleich neben dem Institut wird täglich geschweisst). So durfte ich jeden morgen um halb 7 aufstehen und mich zum morgentlichen Training begeben. Danach ging ich normalerweise zum Markt, der etwa zehn Gehminuten vom Insitut entfernt liegt. Dort gibt es auch das Einkaufszentrum Makro, ein Grosshändler, wo Thais ihre Lebensmittel für ihre Essenstände herkriegen. Auf dem Markt gibt es u.a. Nudelsuppe oder Huhn auf Reis. Dieses Essen kostet 30 Baht (1 Franken) und schmeckt ganz gut. Das Besteck nimmt man aus einem Sammeltopf, wo sich z.T. noch nasses Besteck befindet. Leider befinden sich manchmal Ameisen im Zucker – man muss einfach ein bisschen Ausschau halten. Die Verkäufer haben schnell mit mir zu reden begonnen, was ich hier mache, wieso ich Thai könne, wann ich wieder nach Hause gehe… Möchte man etwas trinken, nimmt man einfach ein Glas (von welchem bereits andere getrunken haben), füllt es mit Eis (aus einem grossen Behälter) und schenkt sein Getränk ein (Wasser aus dem Topf oder eine Flasche Cola, die man selber öffnet). Getrunken wird mit einem (frischen) Strohhalm. Das Wasser ist normalerweise eingefangenes Regenwasser.
Das Training war gut, jedoch anders als in einem Gym. Die Schule hat ein Programm für jedes Trainingsniveau. Somit kann es schnell ein wenig eintönig werden, besonders auf den ersten beiden Stufen. Die dritte Stufe dürfte dann ein wenig interessanter werden. Jedoch ist es gut, die Basis nochmals strukturiert und klar zu lernen. In den Gyms wird hier und da etwas an der Technik korrigiert, jedoch lernt man nie von Grund auf, da man mit allen Schülern zusammen trainiert. Auch konnte ich gut von meinem Thai Gebrauch machen und mich mit den Trainern unterhalten.
Ein besonders spannender Trainer war Moo (Doktor in Thai), ein grosser und breiter Mann in den Dreissiger, welcher bereits hunderte von Kämpfe und ein Sportmedizinstudium hinter sich hat (er ist scheinbar der einzig studierte Thaiboxer). Wir gingen mehrmals zum Future Park um uns die Bäuche an einem Buffet vollzuschlagen. Am letzten Abend (ich hatte die Prüfung für Niveau 2 am nächsten morgen) gingen wir gemeinsam Essen auf dem Markt (nord-östliches Thai Essen). Danach ging es in einen Nachtclub, der sich gleich neben dem Institut befindet. Wie üblich, trinkt man gemeinsam Whiskey und bevor man es merkt ist es bereits sechs Uhr morgens. Zum Schluss: Moo kann deshalb am Wochenende in den Ausgang (und muss nicht trainieren), weil er keinen Gegner zum Kämpfen findet. Thais sind nicht so schwer wie er, die Ausländer möchten ihn nicht als Gegner haben. Aussehen tut er eher wie ein Doktor als ein Thaiboxer – doch der Schein täuscht…