Gleich nach Ende der Prüfungen an der Uni sind wir nach Nakhon Ratchasima (oder auch Korat) gereist. Diese Stadt liegt in Isan, dem Nordosten von Thailand. Mit gut 167000 Einwohnern ist dies die dritt-grösste Stadt im Land und gilt als Zugang zu Isan. Isan ist der Name der Region des Nordostens von Thailand und grenzt an Laos und Cambodia an. Die Leute sprechen die Sprache “Isan”, welche von manchen Menschen als Dialekt von Laos angeschaut wird. Jedoch wird die thailändische Schrift benutzt. In Korat jedoch wird noch Thailändisch gesprochen, da die Stadt im Westen von Isan liegt. Am besten gelangt man von Bangkok aus per Bus nach Korat – die Fahrt dauert gute drei Stunden. In der Stadt gibt es zwei Busbahnhöfe, einen alten und einen neuen. Viele Busse stoppen bei beiden Bahnhöfen. Wir sind in Korat nur umgestiegen und haben dann einen farbigen Bus genommen, der uns zu Annchalees Zuhause gefahren hat.
Die Fahrt dauert knappe zwei Stunden, da der Bus oft hält, damit Fahrgäste ein- oder aussteigen können. Der Bus fährt die halbe Zeit auf einer Überlandstrasse und biegt dann nach knapp einer Stunde auf eine schmalere Strasse ab. An dieser Strasse hat es viele kleine Dörfchen, welche von Reisfeldern abgetrennt wurden. Zu dieser Jahreszeit wurde der Reis bereits geernet, so sind die Felder nun trocken und gelb. Dieser Anblick ist wunderschön, vor allem da er vom gewohnten grünen Thailand abweicht.
Annchalees Familie lebt in einem Dörfchen mit etwa 250 Einwohnern. Die meisten Menschen in Isan sind Reisbauern oder sonstige Farmer. Die Familie lebt in drei Häusern, welche von einem kleinen Reisfeld von der Strasse abgetrennt sind. Ihre Eltern leben mit zwei Tanten und einem Onkel zusammen. Auch Annchalees sechs jähriger Neffe lebt bei ihren Eltern. Dieser geht jeden morgen in die Primarschule, welche nur knappe zehn Gehminuten vom Haus entfernt ist. Die Mutter ist traditionell die erste Person, welche am morgen aufsteht und gleich anfängt zu kochen, damit die ganze Familie nach Sonnenaufgang das Frühstück in Angriff nehmen kann. Bei allen Mahlzeiten gibt es Reis oder ab und zu Nudeln. Der Vater bringt dann den Neffen mit dem Töff zur Schule. Danach wird entweder auf dem Feld gearbeitet oder zu Hause Dinge erledigt. Hier gibt es eine strickte Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau. Wenn es nichts zu tun gibt, sitzt man in einer offenen Bambushütte und schläft oder quatscht mit Familie oder Freunden, welche sich im Laufe des Tages auch unter die Bambushütte setzen.
Am ersten Tag habe ich mit den Tanten Karten gespielt. Nach ein paar Runden habe ich das Spiel dann auch begriffen. Am zweiten Tag mussten wir am morgen früh aufstehen, da wir fischen gegangen sind. Wir sind mit anderen Leuten vom Dorf mit dem Auto zu einem nahe gelegenen Reisfeld gefahren. Von dort aus haben wir eine kleine Wanderung durch die Agrarlandschaft unternommen, bis wir bei einem kleinen Wald angekommen sind. Die Männer haben sich sogleich in den Schlamm gestürzt – um Fische zu fangen. Dies geschieht lediglich mit den Händen. Sehr wahrscheinlich hatte es dort mehr Wasser, als die Reisfelder noch nass waren. Da das Wasser jetzt immer mehr verdunstet, kann man die Fische von Hand fangen. Die Männer haben in einer guten Stunde über hundert Fische gefangen, welche zwischen 20 und 30 cm lang waren. Die Frauen hingegen haben sich hingesetzt, zugeschaut und Witze über die Männer gerissen. Eine Tante hat für mich einen Fisch grilliert. Jedoch gab es dann einen kleinen Disput darüber, dass diese Tante sich erlaubte, bereits zu kochen, obwohl sonst niemand gegessen hat.
Es war eine sehr spannende Erfahrung, der ländlichen Kultur etwas näher zu kommen. Besonders der Ausflug zum Schlammtümpel war spannend, da ich so eine wunderbare Landschaft gesehen habe und den Thais beim Arbeiten zuschauen konnte.