Traditionell wird das thailändische Neujahr zwischen dem 13 und 15 April gefeiert. Diese drei Feiertage werden hier als Songkran bezeichnet. Am auffälligsten ist das Wasserfest, welches während dieser Zeit stattfindet. Da um diese Jahreszeit die Temperaturen bis über 40 Grad Celsius ansteigen und diese Tage somit zu den heissesten des Jahres gehören, beklagt sich niemand, wenn er mit eiskaltem Wasser übergossen wird. Nämlich genau das geschieht, wenn man seine eigenen vier Wände während Songkran verlässt. Die offiziellen Aktivitäten, welche in diesem Jahr wegen den “redshirts” grösstenteils abgesagt wurden, beinhalten Umzüge, wobei traditionelle Kleider getragen werden. Viel interessanter sind jedoch die privaten Aktivitäten. So stellen Familien am Strassenrand grosse Wassertänke auf und bespritzen vorbeifahrende Autos, Tuk-Tuks und Motorräder mit einer Ladung Wasser. Am besten kauft man sich eine grosse Wasserwaffe, sodass man sich gegen Angreifer wehren kann. Genau dies haben wir getan – jedoch musste ich meine Waffe nach dem ersten Tag durch eine neue ersetzen (chinesische Ware). Die grösste Menschenmenge findet man bei der Khao San Road oder bei der Silom Road. Hier kommen viele Familien mit ihrem Pick-up und spritzen Wasser. Auch gibt es viele Stände, wo man seine Waffe für 5 Baht mit neuem, eiskaltem Wasser aufladen kann. Tausende Menschen bespritzen sich andauernd mit Wasser und haben einen riesigen Spass dabei. Traditionell diente das Wasser zum sich Reinigen vor Beginn des neuen Jahres. Auch wird einem Lehm oder Puder an die Wangen gestrichen. Dies ist die einzige Zeit, wo man ungeniert anderen Menschen, vor allem jenen vom anderen Geschlecht, das Gesicht berühren kann. Heutzutage gibt es allerdings gewisse junge Männer, welche die Situation ausnützen. So berühren sie Frauen auch am Körper, was in der thailändischen Kultur strikt verboten ist. Auch wird einem der Lehm zum Teil ins ganze Gesicht gestrichten, was einem dann die Sicht nimmt. Glücklicherweise folgt auf eine Lehmeinheit meistens ein Kübel kaltes Wasser, was einem dann wieder zurück in die Situation versetzt. Ich fand die Zeit besonders spannend, wie locker ein Wasserangriff genommen wird. Alle Menschen lachen ständig und haben einen riesigen Spass. Vor allem junge Menschen waren in Bangkoks Strassen unterwegs. Ich habe keinen einzige wütende Person gesehen, trotz einer riesigen Anhäufung von Wassersoldaten. Besonders in Chiang Mai soll Songkran ein ganz tolles Erlebnis sein. Bangkok ist aber auch sehr empfehlenswert, besonders für Wasserratten. Die Kehrseite der Medaille ist, dass es während den drei Festtagen viele Tote gibt. So wird, wie bei jedem Fest, mehr Alkohol als sonst getrunken. Auch ist es natürlich, besonders für Motorräder, gefährlich, wenn einem während der Fahrt plötzlich Wasser vor die Frontscheibe geworfen wird. Die meisten Unfälle gibt es im Nordosten von Thailand – ich nehme an, dass es dort vor allem Verkehrsunfälle sind, da auf Landstrassen schneller gefahren wird, und unerwartetes Wasser einen grösseren Schaden anrichtet als in der Stadt. Wir blieben vor Unfällen verschont und konnten dieses unglaubliche Fest in vollen Zügen geniessen.
Bilder vom Wasserfest können im Album “Exchange Year in Bangkok” angeschaut werden. Ich habe dazu meine alte Kamera verwendet und diese gut in Plastik eingepackt. Live von der Front!