Um dem enormen Verkehr aus Bangkok zu entkommen, haben wir uns für zehn Tage nach Chiang Mai zurückgezogen. Die Stadt ist mit 150000 Einwohnern die grösste Stadt des Nordens; die Region um Chiang Mai hat eine gute Million Einwohner. Die Stadt ist die modernste Stadt nach Bangkok. Der Kern der Stadt ist die Altstadt, welche von Stadtmauern und einem Wassergraben umgeben ist. Hier gibt es ein Dutzend Tempel, viele kleine Restaurants, Coffeeshops, Hotels und einen Sonntagsmarkt. Das Leben der Stadt spielt sich heutzutage jedoch ausserhalb der Stadtmauern ab. Am Abend findet der sehr bekannte Night Market und Night Bazaar statt. Der Night Market besteht aus dutzenden Restaurants, welche sich mit guten Fischen und Meeresfrüchten oder nordischen Spezialitäten anpreisen. Der Night Bazaar, welcher sich gleich an den Night Market anschliesst, besteht aus hunderten kleinen Ständen, welche Kleider, Taschen, handgefertigte Kunstwerke, etc. anpreisen. Einen Teil der Dinge ist natürlich gefälscht: Lacoste Shirts, Fussball Kleider oder Uhren. Die Verkäufer sind alle recht freundlich, jedoch muss man immer um den Preis verhandeln, da man sonst zu viel bezahlt. Ein Kunstwerk für 1000 Baht kann man sicherlich für 600-700 Baht ergattern. Die Regel ist hier, dass man den halben Preis des ursprünglichen Preises vorschlagen soll. Man landet dann irgendwo dazwischen. Man muss aber hier ein wenig Feingefühl haben, denn nicht bei allen Ständen ist es angebracht, um den Preis zu verhandeln.
Auch kulinarisch hat der Norden einiges zu bieten. Es gibt ganz viele Spezialitäten, welche mir besonders schmecken. “Nam Prik Ong” zum Beispiel besteht aus einer Art Chili-Tomaten-Paste und verschiedenem rohen oder gekochtem Gemüse, welches dann mit der Paste und Reis gegessen wird. Ich werde dann später ausführlich über unsere kulinarischen Abenteuer (westlich und thailändisch) berichten.
Unser Hotel, “Holiday Garden Hotel & Resort“, befindet sich an einer Hauptstrasse, welche immer sehr stark befahren ist. Dabei fällt natürlich das Entkommen aus dem Verkehr etwas schwer. Dank einer Preisreduktion von fast 50% lohnt es sich jedoch schon. Auch das Thaibox-Training befindet sich gleich um die Ecke. Die erste Nacht mussten wir in einem Zweibett-Zimmer verbringen und auch das Zimmer selbst war sehr dürftig. Die Decke über der Dusche scheint schonmal eingebrochen und wieder repariert worden zu sein, wobei sich einen Teil schon wieder ein wenig gelöst hatte. Am zweiten Tag habe ich dann um einen Zimmerwechsel gebeten und allem Anschein nach, haben wir gratis eine bessere Klasse erhalten: Doppelbett, ein wenig grösser, bessere Aussicht und eine intakte Decke. Das Hotel selbst ist aber sehr schön. Es hat einen kleinen aber schönen Garten mit modernem Swimmingpool, in welchem man sich nach einem Sonnenbad abkühlen kann. Zur Zeit hat es sehr viele Thailänder, welche scheinbar einen Kongress abhalten. Dieser findet täglich im Kongressraum des Hotels statt. Viele Firmen aus Bangkok veranstalten ihre Seminare oder Kongresse in Chiang Mai. Ich nehme an, sie tun dies wegen dem angenehmen Wetter, der schönen Stadt, den etwas günstigeren Hotels und dem etwas ruhigeren Leben als in Bangkok.
Hier bewegt man sich am besten per Tuk-Tuks fort. Dies sind Dreiräder, welche von einem Motor angetrieben werden. Diese Fahrzeuge gibt es überall in Thailand, in Chiang Mai jedoch besonders viele, da es hier fast keine normalen Taxis gibt (im Gegensatz zu Bangkok). Jedoch gibt es hier “Songthaew”, das sind rote, umgebaute Pickup-Trucks, welche eine überdachte Ladefläche und dessen Bänke Platz für 12 Personen bieten. Auch sieht man oft Ausländer mit einem Fahrrad, da sich der Verkehr in Chiang Mai sehr in Grenzen hält; lediglich einige wenige Hauptstrassen sind stark befahren. Gestern waren wir in einem Tuk-Tuk mit einem Haasen. Da die Freundin des Fahrers keine Zeit für ihren Haasen hat, hat er den Haasen auf die Sitzbank gesetzt und mit einer Kette angebunden. Somit sitzt der Haase den ganzen Tag auf der Sitzbank und kann von allen Gästen gestreichelt und bewunder werden. Unglücklicherweise (und zu meinem Vergnügen) hat er Annchalee auf den Schoss geschissen. Glück im Unglück: Die Haasenkacke ist sehr trocken und hinterlässt keine Nassen Spuren…
Prinzipiell kann man von Chiang Mai aus sehr viele Dinge unternehmen. Zum einen gibt es viele Trekking-Angebote, welche auf eine ein bis drei tägige Tour in den Jungel einladen. Dies haben ich und Janis vor drei Jahren bereits unternommen. Die Wanderungen sind sehr schön, jedoch sind die Gruppen zu gross, und der Abenteuereffekt hält sich stark in Grenzen. Vor einem Jahr waren wir in “Pai”. Das ist ein Ort in den Hügeln von Chiang Mai, in der Nähe zur burmesischen Grenze. Dort leben viele Hippies und nur etwa 2000 Thais. Somit ist man wirklich sehr von der Zivilisation abgeschottet und kann das natürliche Leben sehr gut geniessen. Chiang Mai bietet auch sehr viele Resorts an, welche sich ein paar Duzend Kilometer ausserhalb der Stadt befinden. Dort kann man sich wunderbar entspannen, ist dann jedoch wirklich weg von jeglichen Aktivitäten, da es ausser dem Hotel dann nichts anderes gibt. Wir haben jedoch beschlossen, für diese Zeit in Chiang Mai zu bleiben, so dass wir uns auch gut entspannen können.