Letztes Wochenende, also vom 24. bis 26. Oktober, war ich in Singapore. Der Grund weshalb ich so weit gereist bin ist der, dass alle Ausländer nach maximal 90 Tagen Thailand verlassen müssen. Dies ist das Gesetz. Mein Visum ist zwar ein Jahr gültig, jedoch muss ich trotzdem wie alle anderen auch aus- und wieder einreisen. Mein erster Trip ging nach Singapore.
Gestartet hat die Reise um 8 Uhr am Freitag morgen am Suvarnabhumi (ausgesprochen: Suvarnabhum) Airport. Dies ist der neue Flughafen in Bangkok, welcher wahnsinnig modern und gross ist. Geflogen bin ich mit Tiger Airways. Das ist eine Airline aus Singapore und gilt als sehr günstig. Günstig hat es angefangen mit dem Ticket – welches halb von Hand ausgefüllt wurde. Tiger ist das Wahrzeichen von Singapore – auch das bekannte Tiger Beer ist das Nationalbier der Stadt. Der Flug verlief gut – die Sandwiches und die Getränke musste man extra bezahlen, haben dafür aber gut geschmeckt. Nach der Landung sind wir beim Budget Terminal ausgestiegen. Dies ist eine sehr sinnvolle Lösung, da so Kosten gespart werden können, jedoch ist der Terminal wirklich sehr “budget” und sieht eher aus wie in Burma als in Singapore. Man musste beim Immigrieren länger warten als in Thailand – zudem ich die falsche Schlange erwischt hatte und die alte Beamtin eine Ewigkeit brauchte um einen Fall zu bearbeiten. Jedoch braucht man (zumindest als Schweizer) kein Visum zum immigrieren. Ich dürfte mich maximal 30 Tage dort aufhalten – sonst bräuchte ich ein Visum.
Per Taxi bin ich dann zum Hotel gekommen. In Singapore sprechen alle Leute gut Englisch, da dies die offizielle Landessprache ist. Neben Englisch gibt es noch drei andere offzielle Sprachen: Mandarin, Malay und Tamil. Die Bevölkerung des Stadtstaates setzt sich aus 75% Chinesen, 15% Malaysier und 10% Inder zusammen. Damit diese Zusammensetzung nicht in einem ethnischen Konflikt endet, wurde die Standartsprache auf Englisch gesetzt, so dass sich erstens niemand benachteiligt fühlt und sich zweitens alle verstehen können. Dank dieser tollen Kommunikation bin ich nach einer 20 minütigen Fahrt beim Hotel “Fragrance Crystal Hotel” angelangt. Dieses Hotel befindet sich im Quartier “Geylang” welches das Rotlichtmilieu von Singapore darstellt. Nur in diesem Quartier ist Prostitution erlaubt. Na, wieso sollte ich in einem solchen Quartier wohnen wollen? Die Hotelpreise im Internet waren in diesem Quartier am günstigsten. So habe ich gute 40 Dollar bezahlt, wobei man in einem anderen Quartier mindestens 100 Dollar pro Nacht bezahlen muss. Mir war es nicht wert, fast 200 Franken mehr auszugeben, nur um in einem anderen Quartier wohnen zu können. Geylang ist auch nicht weit vom Stadtzentrum entfernt, per Metro sind es nur vier Stationen bis City Hall. Mein Hotel war also gerade an der Strasse mit alles kleinen Häuschen, welche während des Tages nett aussehen und am Abend ein kleiner Mann vor der Türe sitzt und aus den Fenstern rote Lichtern schimmern. Soviel dazu. Das Quartier erinnert an China Town – allerdings gibt es einen offiziellen China Town an einem anderen Ort der Stadt. Per Fussmarsch war ich in 15 Minuten bei der Metro. Ich konnte mein Zimmer noch nicht beziehen, da ich ein paar Stunden zu früh erschien. Deshalb ging ich einfach mal nach City Hall, was sehr nach Stadtzentrum tönt. Die Metro ist wie in jeder anderen Stadt – unspektakulär. Wenn man isst oder trinkt muss man 500 Singaporedollar bezahlen. Allgemein halten sich die Singaporianer ganz strikt an die Regeln – wobei man beim Brechen dieser auch horrend hohe Gebühren bezahlen muss. Ganz im Gegensatz zu Thailand, wo es bei jeder Regel auch immer mindestens jemanden gibt, der sie bricht. Zum Beispiel heute auf dem Boot, als jemand durch die Absperrung gegangen ist. In Singapore würde sich das niemand erlauben.
Das Stadtzentrum ist das eine Grossstadt. Singapore hat knappe 5 Millionen Einwohner und hat ein BIP (Bruttoinlandprodukt) von gut 160 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Thailand hat ein BIP von 250 Milliarden Dollar. Somit verdient ein Singaporianer (bei lokalen Preisen) 6-Mal mehr als ein Thailänder. Auch kann er sich im eigenen Land mehr leisten als sich ein Schweizer zu Hause leisten kann. Dies deshalb, da bei uns die Preise höher sind. Aber Achtung: Dies ist eine Durchschnittszahl. In Singapore gibt es natürlich extrem viele Firmen pro Einwohner, welche so die Zahl künstlich hochdrücken. Was ich gesehen habe, sind vor allem die Inder eher die ärmere Schicht. Die Bedienung in Restaurants ist sehr oft indisch und auch die Putzmänner und -frauen sind InderInnen. Das ist auch das, was ich von einem Freund gehört hatte.
Die Stadt jedenfalls ist für Fussgänger gut zugänglich, es hat mittelmässig viele Autos (im Gegensatz zu Bangkok) und wenig Motorräder (auch im Gegensatz zu Bangkok). Neben der Metro gibt es auch öffentliche Busse. Taxis kann man (im Gegensatz zu Bangkok) nur in der Nacht heranwinken, am Abend muss man es per Handy bestellen. Das hatte ich am Freitagabend noch nicht gewusst, und hatte verzweifelt ein Dutzend Taxis gewunken, welche dann alle gesagt haben, sie seien “on call”. In Singapore bezahlt man per Prinzip alles mit der Kreditkarte: Taxigebühren, Eintritt zur Disco, etc. Von meinem Freund habe ich erfahren, dass dies in den USA auch der Fall sei (also nicht speziell nur in Singapore). Im Zentrum gibt es viele Wolkenkratzer, darunter auch ein paar spektakuläre Bauten. Auch hat es viele Kirchen (ganz in weiss gestrichen). Dies deshalb, da Singapore eine ehemalige Britische Kolonie ist, und die Kirchen daher noch Überbleibsel davon sind. Die Christen machen mit 15% die grösste Minderheit aus. Die Mehrheit sind mit 45% Buddhisten. Es war ein wenig komisch zu sehen, wie eine Chinesin in einer Kirche gebetet hat. So habe in nun am Freitag meinen freien Nachmittag in Einkaufszentren verbracht und habe dann einen Fussmarsch zum “Singapore Flyer” unternommen. Dies ist ein Riesenrad von 165 Meter Höhe, von welchem aus man über die ganze Stadt sieht. Eine Audiotour erklärt einem, wo was zu finden ist. Leider hatte ich zu diesem Zeitpunkt meine Kamera nicht dabei. Die 30 Dollar wollte ich aber nicht ein zweites Mal ausgeben. Deshalb fasse ich das Erlebnis in Worte: Singapore liegt direkt am Meer und besitzt einen Fluss, den Singapore River. Dieser fliesst aber nicht direkt ins Meer, sondern in die Marina Bay, welche eine vom Meer abgetrennte Bucht ist. Diese stellt das Wasserreservoir der Stadt dar. Um diese Bay hat es natürlich Land: Auf der einen Seite wird kräftig gebaut. Auf der grössten Baustelle welche ich je gesehen hatte entsteht “Future I.T.”. Das soll ein neues Businesszentrum werden. Daneben soll ein riesiger Garten entstehen. Auf der anderen Seite hat es einen Golfplatz und dort wird auch der Sporthub gebaut, in welchem die Asian Games 2014 gehalten werden sollen (wenn ich das richtig in Erinnerung habe).
Die Stadt an und für sich ist recht langweilig. Es gibt zahlreiche Einkaufszentrum, sobald man aber auf der Strasse ist, gibt es nicht viel zu tun. Es hat einfach nichts. Läden befinden sich halt nur in diesen Zentren (soviel ich gesehen habe). Kulturell gibt die Stadt wenig her. Die Namen der Metrostationen sind alle sehr künstlich: City Hall, Queenstown, Aljunied, Kallang, etc. Das tönt sehr futuristisch. Bei Orchard hatte ich meinen neuen Laptop gekauft. Die Bedienung in den Läden ist sehr freundlich. Auch in Restaurant ist der Service für westliche Standards besser als in Bangkok. Ich wurde in einem normalen Restaurant nach dem Salat gefragt, ob ich parat für den Hauptgang sei. Wenn man natürlich in ein fünf-Sterne Restaurant geht, ist Bangkok sicherlich auch Weltklasse. Die Leute sind mir jedoch viel reservierter erschienen. Man hört auch selten Englisch, viel mehr Chinesisch oder Indisch. Das gibt dann die komische Situation, dass man nicht richtig weiss, was abläuft. Es ist ja nicht so, dass man in China ist. Sondern die Kultur ist anders von China – ausser in China Town natürlich. Die Stadt erschien mir als ein riesiger Mischmasch, zusammengehalten von eine künstlichen und modernen Umgebung. Es funktioniert alles sehr gut und reibungslos. Die Kriminalität ist sehr tief und den Leuten geht es finanziell sehr gut.
Ein Besuch in Little India hat mich dann wieder aufgestellt. Dort hat mich der Taxifahrer zu einem sensationellen Restaurant gebracht. Ich musste mich eine halbe Stunde auf die Bank setzen, bevor ein Tisch frei wurde. Ich war nicht der erste, der gewartet hat. Das Essen war aber ausgezeichnet und die Bedienung vom Feinsten. Es heisst “Kashmir” und befindet sich neben dem “Green Banana Leaf”. Die Namen sind mir schon entfallen, ich bin mir nicht mehr sicher, ob sie wirklich so geheissten haben. Ein Taxifahrer sollte es jedoch finden.
Alkohol und auch Zigaretten sind sehr teuer dank den hohen Steuern. Drogenkonsum wird mit dem Tod bestraft. Kaugummis sind verboten – man kann sie nirgends kaufen. Das Nachtleben ist auch relativ unspektakulär. Ich ging zum “Clarke Quay” (ausgesprochen: Klark Kii) – das ist eine Metrostation, welche am Fluss liegt. Dort ist es wunderschön: Lichter schmücken die Ufer und zahlreiche Restaurants und Bars säumen sich am Fluss entlang. Ich habe mich dann selbst auf ein Bier (10.- pro Stange) in Harry’s Bar eingeladen. Dort spielte ein Gitarrist Songs und wurde von – vor allem ausländischen – Fans bejubelt. Der Schlenderspass am Wasser vergeht allerdings nach guten 5 Minuten, da dann nichts mehr vorzufinden ist. Ich habe zwei Clubs besucht. Eines ist ganz bekannt und heisst Zouk. Der Eintritt kostete 30 Dollar und ich stand über eine Stunde an, jedoch waren die Tickets vorher ausverkauft. Zum Glück nur für den kleinern Club daneben und nicht den Hauptclub. Am Freitag war ich im Butter Effect. Beide Clubs haben gute Musik, ganz viele junge Singaporeaner (fast nur Chinesen) und ein paar Ausländer. Alle Tanzen und bezahlen auch an der Bar mit der Kreditkarte – jedoch fand ich es langweilig. Es war ähnlich wie in der Schweiz, die Leute sind sehr reserviert und lassen einen in Ruhe. Wenn man sie anspricht, sind sie sehr freundlich und man kommt auch dank dem Englisch ins Gespräch. Trotzdem hat es mich nicht vom Sockel gehauen – trotz den hohen Preisen. Fazit zum Nachtleben: In Thailand kann es auch an einem Strandpub, wo alle in den Sandalen und Shorts kommen, einiges lustiger sein als in einem teuren Club.
Zum Schluss: Alles in allem war es ein interessanter Trip, der mich bestätigt hat, dass Bangkok die richtige Wahl für mein Auslandjahr war. Eventuell ist Singapore auch nicht unbedingt der Ort, wo man alleine hingehen sollte. Die Leute sind alle sehr freundlich, alles funktioniert bestens – man bezahlt einfach den Preis mit der Kreditkarte. Es ist nicht ganz so teuer wie in der Schweiz, aber laut meinem Freund auf Amerikanischem Niveau. Es gibt keine eigene Kultur in Singapore (soweit ich das nach zwei Tagen sagen kann), jedoch hat es einen China Town und Little India, wo man sich wieder “zu Hause” fühlen kann. Deshalb würde ich mein nächstes Hotel in einem dieser zwei Orte buchen.
