Zur Uni gelange ich zuerst per Motorradtaxi von der Soi (= Nebenstrasse) zur Hauptstrasse bis zum Pier “Wang Lang”. Der Weg führt u.a. durch einen Markt, wobei sich der Töff durch die Menschenmenge schlängelt. Kein Mensch schaut dabei komisch – es ist völlig normal, dass sich Töffs unter die Fussgänger mischen. Die Fahrt kostet 30 Baht, was einem Franken entspricht. Lediglich auf der Hauptstrasse fährt der Töff schnell (ca. 60 km/h), ansonsten eher langsam. Es ist aber der einzig sinnvolle Weg zum Pier. Erstens braucht man den Töff von der Soi bis zur Hauptstrasse. Dort einen Taxi oder ein Tuk-Tuk zu nehmen würde erstens Suchzeit kosten, andererseits bleiben diese im Stau stecken – der Töff schlängelt sich geschickt an der Autoschlange vorbei. Vom Pier nehme ich ein Boot (Preis ca. 10 Rappen), welches mich über der Chao Pryia River bringt. Die Fahrt dauert nicht mal 5 Minuten. Von dort aus muss ich zu Fuss ca. 2 Minuten durch ein Wirrwarr von kleinen Läden – welche Handtaschen, Essen, Zeitungen, Comics, etc. verkaufen – gehen, und schon bin ich auf dem Unigelände.
Der Prachan Campus liegt im alten Stadtteil Bangkoks, nur wenige Fahrtminuten vom Königspalast. In Bangkok gibt es zwei grosse (und international bekannte) Unis: Die Thammasat University und die Chulalongkorn University (benannt nach dem König Chulalongkorn) – kurz Chula. Die beiden Unis wurden so verglichen: Die Chula Uni entspricht Harvard, die Thammasat Uni entspricht Berkley. Denn von der Thammsat University gingen zahlreiche politische Proteste und Revolte aus, wobei die Chulalongkorn University eher die konservative Uni darstellt. Akademisch sind beide Unis etwa gleichgestellt (natürlich abhängig vom Fach). Die Thammasat Uni wurde 1934 von einem thailändischen Professor gegründet, dessen Statue auf dem Campus posiert. Der Campus selber ist schön, denn die Uni grenzt direkt an den Fluss an. Somit herrscht eine offene und nicht zu stickige Atmosphäre. Es gibt zahlreiche Essensstände, mehrere Bibliotheken und mittlerweile sogar ein öffentliches WLAN (hätte ich nicht gedacht) für alle Studenten. An der Uni gibt es verschiedene internationale Programme:
- Business Administration: ca. 500 Studenten, davon etwa 20 aus dem Ausland (3 Deutsche, viele Amis und Kanadier sowie Skandinavier – 50% von den Austauschstudenten sind weiblich).
- Economics
- Thai Studies: Nur Austauschstudenten. Mehr als die Hälfte aller Austauschstudenten besuchen dieses Programm.
- British and American Studies: Viele Thais (auch Palm hatte dieses Programm absolviert) und auch ein paar Austauschstudenten.
- Es gibt noch ein paar andere, welche aber offiziell nicht erwähnt wurden
Der Vorteil, dass ich Business Administration (BBA) gewählt habe, ist sicherlich der, dass ich schnell viele Thais kennenlernen werden. Unter den Austauschstudenten herrscht eine sehr offene Atmosphäre – evtl. auch zwangsweise, weil nur sehr wenige Thais wirklich gut in Englisch kommunizieren können.
Der Tag begann mit einer Rede vom Vice Director of International Affairs, gefolgt von Tipps und Tricks eines ehemaligen Austauschstudenten aus Deutschland. Er hat uns drei wichtige Begriffe mit auf den Weg gegeben: Geduld, Offenheit, Höflichkeit. Danach hat ein amerikanischer Professor, welcher seit bereits 15 Jahren hier unterrichtet, noch viele Infos gegeben. Die Atmosphäre scheint mir recht locker – er meinte “party hardy, but study buddy”. Viele kommen auch nur für ein Semester und besuchen komische Fächer, wie “Thai Cooking” oder Ähnliches. Das BBA Programm hingegen scheint mir strikter, da wir u.a. die einzigen sind, welche die Uniform tragen müssen. Ich finde dies aber auch ok, denn ich möchte hier ja auch etwas lernen – die Parties in Thailand sind mir mittlerweile ja bekannt
Bezüglich Uniform: Ich habe mir beim Schneider “James Fashion” zwei Anzüge machen lassen. Einen Schwarzen (2 Knöpfe) mit weissen Hemden und 3 Hosen, für die Uni. Und einen grauen Nadelstreifen mit verschiedenen Hemden und Krawatten. Die Qualität der Anzüge ist beeindruckend, die Hemden sind ok (ich habe scheinbar nicht den besten Stoff ausgewählt). Tollerweise habe ich den richtigen Schneider gewählt, er ist (wie sich im Nachhinein herausstellte) auch Palms Schneider. Dadurch habe ich gleich zwei zusätzliche Hosen erhalten und bin jetzt mit der Chefin “befreundet”. Das hat sich auch gleich gelohnt, denn die Hemden waren beim zweiten Probieren immer noch ein wenig zu gross. Dies habe ich gesagt, aber die indischen Verkäufer (ALLE Verkäufer in den Schneiderläden in Thailand kommen aus Indien oder Umgebung) sind verdammt hartnäckig und drehen den Spiess gegen den Käufer. Ich habe dann die Chefin angerufen und sie hat dann den Angestellten gesagt, sie sollen die Hemden nochmals in die Fabrik geben. Wenige Stunden später hatte ich alle 14 Hemden bei mir im Hotel – und sie stimmen perfekt. Nach der Aktion habe ich Palm gefragt, ob es in Ordnung war, direkt zur Chefin zu gehen, und die Angestellten damit zu übergehen (ich hätte ja auch auf der Anpassung bestehen können). Somit habe ich mir einen Konflikt erspart, der Angestellte hat aber vor der Chefin das Gesicht verloren – was ja besonders in Asien äusserst zu vermeiden ist. Palm meinte aber, das sei absolut ok und wenn ich ein anderes Problem habe, dann sollte ich ohne zu zögern wieder der Chefin anrufen, sie werde mir helfen… Die Kleider haben mich gute 1000.- gekostet, ich denke aber, dies ist es Wert. Zum Vergleich: Mein bisherigen Anzug aus der Schweiz von “WE”, hat mit zwei Hemden gute 400.- gekostet. Die Qualität bei den neuen Anzügen ist um Meilen besser, dass merke sogar ich als Laie. Ein super Anzug bei James mit 4 Hemden gibt es so für 500.-. Bei Interesse bitte mich kontaktieren, dann gibt es einen Spezialrabatt
Soviel dazu – zurück an die Uni: Das internationale Programm und auch die BBA Fakultät werden regelmässige Aktivitäten anbieten. Es wurde uns angeraten, an möglichst vielen Aktivitäten teilzunehmen, was ich auch tun werde. Darunter z.B. einen Trip nach Ayutthaya (die alte Hauptstadt) in zwei Wochen.
Im internationalen Vergleich ist es sehr spannend: Vor allem die Deutschen (und ich) haben meiner Meinung nach viel mehr Erfahrung in Sachen Selbständigkeit. Wir sind alleine gekommen und haben (vor allem) akademische Ziele im Sinn. Die Kanadier oder die Amerikaner kommen eher in der Gruppe (also Freunde derselben Uni) und kommen vor allem um Ferien zu machen. Jedoch waren die wenigsten Studenten bereits in Thailand. Ich fühle mich sehr gut, dass ich nicht zum ersten Mal hier bin. Ich denke, da wird man sehr schnell überfordert: Essen, Verkehr, etc. Auch bin ich sehr froh, dass Annchalee hier ist – so habe ich gelernt auf dem Markt einzukaufen (Bericht folgt) und fühle mich nicht verloren, wenn mir etwas nicht klar ist.
Am Nachmittag mussten wir etliche Formulare der Fakultät ausfüllen. Es war vor allem ein Warten, da der ganze Prozess ungemein unorganisiert war – oder zumindest hat es sich so angefühlt. Die Menschen sind aber sehr hilfsbereit und sind zwischen dem Büro und unserem Zimmer hin und her gerannt, damit alles klappt. Ich habe nun 5 Kurse gebucht, zwei davon sind anders als ursprünglich gedacht. Ich habe jetzt vier Fächer in Marketing und ein Fach in Finance.
Die thailändische Sprache werde ich – anders als geplant – nicht an der Universität lernen. Denn bei 120 Austauschstudenten wird der Kurs sehr voll werden, auch wenn nur ein Viertel der Studis den Kurs besuchen möchte. Der Kurs wurde uns zweimal empfohlen, ich denke, dass viele Studis die Sprache lernen möchten. Zudem gibt es eine Überschneidung mit einem anderen Fach. Deshalb habe ich mich in Bangkok nach einer Sprachschule umgeschaut. Unser Apartment stellte mir glücklicherweise eine Liste mit ein paar bekannten Sprachschulen (Berlitz, etc.) bereit. Die Kriterien: Preis, Distanz, Studenplan haben nun die Auswahl eingeschränkt. Die meisten Schulen waren zu weit weg. Weit definiert sich hier nicht nach der Kilometerzahl, sondern nach den Minuten, die man im Stau verbringt. Ich habe nun im nächst gelegenen Shoppingcenter “Central Pinklao” (Pinklao ist die Gegend, in der wir wohnen – Central ist die Einkaufskette) einen Privatkurs bei inlingua gebucht (Genau die inlingua, die aus Bern stammt). In diesem Zentrum ist auch mein Fitnesscenter “Fitness First” lokalisiert. Somit kann ich diese beide Dinge gleich kombinieren, und die Anzahl der Taxifahrten reduzieren. Die Sprachschulen bieten für Thai nur Privatkurse an. Ich möchte 4 Lektionen pro Woche lernen. Ich denke, so werde ich viel mehr Fortschritte machen als an einem evtl. locker gehaltenem Kurs an der Uni, wo bis zu 80 Studenten teilnehmen werden. Eine Lektion kostet gute 500 Baht, was etwa 17 Franken entspricht. Da ich die Sprache aber unbedingt lernen möchte, finde ich das einen sehr fairen Preis. Zudem ist inlingua eine gute Schule. Annchalee wird dort einen Englischkurs besuchen. Der ist äusserst billig und praktisch. Vier Lektionen pro Woche in der Gruppe – 36 Lektionen kosten nur 170 Franken. Und das an einer Schweizer Sprachschule!
Jedenfalls, am Montag geht’s los an der Uni. Der Dienstag ist frei wegen dem Geburtstag der Königin (Nationalfeiertag), der Donnerstag ist auch frei, weil dann die Diplome an die Studis, die abgeschlossen haben, vergeben werden. Ich werde dann die erste Woche zusammenfassen.